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Behind Castle Walls

In den USA und in Großbritannien wollen Strafverfolger und Geheimdienste Verschlüsselungstechnologien durch verordnete standardisierte Backdoors schwächen, um den gesamten Datenverkehr aller Nutzer mitschneiden zu können. Das ist so, als würden sie davon ausgehen, dass jedes Haus eine spezielle Tür nur für Geheimpolizisten hat, die auch nur die Geheimpolizei entdecken kann.

Nachdem sich die aktuelle Politik offensichtlich am Spektakel von "Game of Thrones" orientiert, kann man auch für diese Vorgehensweise eine Metapher aus der Fantasy-Welt bemühen. In GoT wird das Land von kriegerischen Lords verwüstet. Bauern und Handwerker sind das "Smallfolk", das um die Burgen herum lebt und Nahrung und Material für die Krieger herbeischafft. Wenn eine feindliche Armee anrückt, dann ziehen die Krieger sich mit ihren Vorräten hinter die Mauern ihrer Festungen zurück. Die Dörfer und Felder der Untertanen werden verwüstet, während die Herrschaften hinter vermeintlich sicheren Mauern sitzen und es sich gut gehen lassen. Wenn sie Glück haben, geben die Feinde irgendwann auf und ziehen weiter.

So lässt sich auch die Vorgehensweise von FBI und David Cameron erklären. Der Militärpolizeiapparat schützt sich zuallererst selbst, die NSA ist ja schließlich auch zuvorderst für den Schutz des Militärs zuständig. Deshalb ist der Name Staatsschutzgesetz für die jüngsten österreichischen Bestrebungen in diese Richtung auch so unheimlich zutreffend. Es herrscht also "Cyberwar" - und die Herrschaften ziehen sich nicht nur hinter ihre Burgmauern zurück, sie brennen vorher auch noch selbst die wenigen schützenden Anlagen ihrer Untertanen nieder.

Die Bürger um die Möglichkeit zu bringen, sich selbst vor Verbrechern und Schnüfflern aller Art zu schützen, ist schlicht und einfach eine feudale Idee, die nichts mit demokratischen Grundsätzen zu tun hat. Anstatt für mehr Sicherheit für alle zu sorgen, wird eine Sollbruchstelle eingebaut. Es gehört schon einiges an Chuzpe dazu, zu behaupten, dass gegnerische Dienste und Verbrecher diese nicht finden und ausnutzen werden.

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Zu optimistisch

...ist Herr Lobo, wenn er glaubt, dass das Netz für Millennials irgendwie mehr ist als eine gigantische Shopping Mall. Netiquette oder gar Netzkultur sind keine Eigenschaften, die man durch die Gnade der späten Geburt über elektromagnetische Wellen vermittelt bekommt. Im Gegenteil: Wer in den letzten Jahren ins Netz gekommen ist, hat es nie wirklich kennengelernt, musste es sich nie erarbeiten, es ist so selbstverständlich wie ein Toaster. Und den nimmt man ja auch nicht auseinander, nicht einmal dann, wenn er kaputt ist.

Das Internet ist nach wie vor eine Angelegenheit eines kleinen Expertenkreises. Und dessen Werte sind allein ausschlaggebend. "Deutschland" hat im Internet nicht wegen des Desinteresses der Bevölkerung eine schwache Position, sondern weil seine Internetwirtschaft vergleichsweise schwach entwickelt ist. Dass der Staat im Zweifelsfall die kurzfristigen handfesten Benefits für seinen Incumbent DTAG jedweder mittelfristigen Zukunftsperspektive vorzieht, ist in einer Zeit, in der die Politik gefälligst so zu funktionieren hat wie ein drittklassiger Industriekonzern, leider klar.

Ein möglicher Ausweg bestünde darin, den politischen Akteuren klar zu machen, dass Netzneutralität und verantwortungsvolle zivile Sicherheitsstrukturen auch für den neuen deutschen Masterplan "Industrie 4.0" unabdingbare Grundlagen sind. Um es wie ein Netzhippie zu formulieren: Wir haben das Internet nur von unseren Kindern geliehen.

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Last modified: 10/5/19 8:37 PM
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