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Sunday, November 27, 2016
Wahrer Satz

Wahrscheinlich als neuronales Crossover-Artefakt der Fakenewsdebatte und Castros Tod ist mir heute das Diktum von Ernest Hemingway eingefallen, dass man beim Verfassen einer neuen Story am besten den ersten wahren Satz niederschreiben sollte, der einem in den Sinn käme.

Der Rezipient liest den wahren Satz, nickt zustimmend und ist schon drin in der Story. Ein Vorgang der Synchronisation mit der Welt der Geschichte. Er kauft nicht nur den Satz, sondern das ganze Paket gleich mit. Der wahre Satz ist die Verbindung zwischen der Lebenswelt des Lesers und jener der Geschichte. Theoretisch.

Der wahre Satz kann Resonanz erzeugen, wenn er sich in die Lebensrealität des Rezipienten einklinkt, in die basalen Momente der täglichen Existenz. Oder indem er einen Topos aus den miteinander kämpfenden Sphären täglich rekonstruierter hegemonial-ideologischer Wirklichkeiten aufgreift. Im ersteren Szenario ist der wahre Satz echt, im zweiten falsch.

These: Der Lebensalltag, aus dem heraus sich ein echter wahrer Satz speisen würde, ist zunehmend schwer anzusprechen, wegen der zentrifugalen Kräfte, die die Modernisierung auf die Subsysteme der Gesellschaft ausübt. Also funktioniert die Kommunikation über die falschen, die hegemonialen, Topoi ungleich einfacher. Es ist billiger und effizienter, sie zu benutzen.

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