textdump
Thursday, November 17, 2016
Ein Link

Ich war einmal ein Blogger. Ich setze einen Link auf Goncourt, der nie aufgehört hat, ein Blogger zu sein. Für mich ist Goncourt der einzige Blogger, der weitergemacht hat, immer besser geworden ist, souverän. Allein indem er das tut, zeigt er, wie wichtig und schön es ist, ein eigenes System auf einem eigenen Server zu haben, auf dem kein Facebookmensch zensiert und kein Irrer filtert oder Spitzelalgorithmen schon an der Quelle petzen.

Es ist gut, ein Blogger zu sein. Es ist gut, Kontrolle über die Produktionsmittel zu haben. Es ist gut, zu denken und zu schreiben und zu fotografieren, für sich selbst und für die Freunde und die Welt.

Du kannst sagen: "Gerade jetzt!" und es ist ein dummes Klischee. Aber es ist immer, immer, immer "GERADE JETZT", also stimmt es.

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[OMG, was habe ich da ausgelöst. :)] Es gibt doch so viele — weiter- oder wiedergeschriebene — gute Blogs, immer noch. Nur als Beispiel:
klagefall.antville.org
ligneclaire.de
hotelmama.it
www.coderwelsh.de
(Mehr traue ich mich nicht wg. etwaiger Linksperren.)

Und Deins gehört da sowieso rein.

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Naaa, Bloggen ist schon was Intensiveres als das, was ich hier mache.

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Dann nenn es eine sehr blogartige Art des Essays (mit dem Lob-Pingpong musst Du jetzt halt leben), die ich sehr mag. (Das vermisse ich nämlich allgemein, durchaus auch oft im Merkur: das teils experimentelle Ausprobieren von Gedanken, ohne gleich in den klassischen Feuilleton-Ton zu gleiten, in die Verlautbarung oder die Sentenz.) Wofür ich zum Beispiel an newfilmkritik.de denke (ich vermisse übrigens die Texte von mbaute, wo schreibt der jetzt?), die frühen Sachen von Bitomsky, Farocki, oder nimm die Säulenheiligen Aller (auch meine): Godard, Marker. (Ich frage mich, warum gerade der Film hier sehr viele Beispiele bietet, vielleicht, weil das Verhältnis Bild-Text die zu einfachen Logiken aushebelt und eher ermöglicht, Dinge diskret zu sehen statt sie auszusprechen.)

Noch abschließend: Es gibt da immer die periodische Klage darüber, dass kaum noch gebloggt wird. Ich bin mir sicher, dass nicht das das Problem ist, es sind eher die Leser: Das Internet ist voll von Schätzen, es führt aber nichts mehr zu ihnen hin, die Timelines scheinen als Prinzip auszureichen (ein Vorwurf, den man Blogs früher auch hätte machen wollen übrigens, gegenüber den liebevoll labyrinthisch gestalteten Websites); dabei ist schon die Trennung hier zwischen Leser und Autor das eigentliche Problem. Am ehesten noch reißen seltsamerweise Texte mit großer Arena, die schon im Teaser vollständig erschöpft sind. (Ich bin mir des schmalen Grats bewußt, über den man in nörgelige Früher-wars-besser-Rhetorik abgleiten könnte) - Ich beziehe mich in die Kritik mit ein, ich lese kaum noch Blogs, aus Bequemlichkeit, weil "Refresh" einfacher ist als das Davondriften in andere Texte. Der Satz Praschls, dass er auch in vielen Jahren noch bloggen werde, weil Text grundsätzlich unendlich ist, hängt mir manchmal nach.

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Ich seh das halt im Rahmen "unserer" Bloggergeneration. Weiß gar nicht mehr, wann ich angefangen habe, den Schockwellenreiter und Mosaikum gab es schon, ich hatte ja damals noch eine eigene Website, die ich dann in die Tonne getreten habe, weil der Staat plötzlich ein Impressum haben wollte. Es wird halt immer schwieriger, eine eigene Site zu pflegen, wegen der Sicherheitsrisiken. Die wiederum treiben auch professionelle Player den Plattformen zu. Und mit denen will ich möglichst wenig zu tun haben.

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Impressumspflicht? Lustig, ich glaube, ich hatte mal eins mit Totenschädel, dann wieder runtergenommen, weil das Bild geklaut war. :)

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(Die Copyright-Schiene war viel gefährlicher und blogzerstörender als das mit dem Impressum.)

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Ist sie immer noch.

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Ich glaube, dass ist der Punkt: Es gibt kaum noch Leute, die Blogs lesen und erst recht niemanden, der dort kommentiert. Als die Weblogs begannen, war das eben sehr aufregend, weil es sonst wenig Orte gab, um das Internet radikal subjektiv vollzuschreiben. Inzwischen kannst du dir das alles in den Sozialmedien auf eine sehr bequeme Weise per Timeline abholen. Twitter (damit fing es m.E.) an lief nicht umsonst anfangs als »Mikroblogging«. Ich merke das an meinem Schachblog, auf dem es vor ein paar Jahren mal eine wirklich sehr schöne Community gab, inzwischen scrollen die wahrscheinlich alle Facebook durch (manchmal rede ich mir ein, dass auf Facebook tatsächlich die ganzen intelligenten Langtexte erscheinen, ich kann das nicht überprüfen).

Macht nichts, weil ich hauptsächlich blogge, damit ich schreibe (ganz im Sinne von Jürgen Fenn, der das mal auf den Punkt gebracht hat). Aber ein bisschen komisch ist es schon.

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Du hast Medium vergessen, das ziemlich schlau mit Twitter integriert ist. Da findet man ziemlich viel gutes Zeug. Die Atomisierung der Rezipientenschaft ist ironischerweise eine Funktion der Konzentration auf zwei, drei Megaplattformen, die es eben viel leichter machen, Gleichgesinnte zu entdecken. Aber man kreist dann halt schnell um sich selbst.

Was Twitter und FB angeht, so sind die mittlerweile derart mit Dauerpanik und Propaganda verseucht, dass zumindest ich mich dort nur noch ungern bewege. Das macht einfach keinen Spaß mehr.

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So muss das in den späten 60ern, Mitte 70ern gewesen sein (von Eco beschrieben): Als die Kneipen zu Abfertigungsorten von durchgereichten Unterschriftenlisten mutierten (nebst K-Gruppen-Auseinandersetzungen etc.). Andererseits: Es passiert auch viel — und verändert sich politisch viel, und da Twitter/FB zunehmend an die Stelle bisheriger Nachrichtenkanäle treten, sind die Timelines entsprechend voll (ich fürchte, ich selbst bin da nicht ganz unschuldig, was z.B. die Türkei angeht).

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Mich nervt dieses Eindringen gezielter Propaganda in meine Lebenswelt zusehends. In einer Kneipe kann ich den Typen ja ausweichen, aber im Feed nicht.

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Ich finde das gut mit der Türkei. Für mich ist das praktisch mein einziger Informationskanal. Meine Twittertimeline habe ich so geschrumpft, dass ich möglichst von allem, was mich so interessiert etwas mitbekomme, aber jeweils nur ein bisschen. Ganz angenehm.

Medium habe ich mir noch nie angeguckt, ich traue mich dort mit meinen defizitären Englischkenntnissen nicht hin (ganz erstaunlich eigentlich, dass noch kein Honk-Politiker gefordert hat, dass alle amerikanischen Websites eine deutsche Übersetzung bereitstellen müssen).

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Comments
Ich freu mich immer, wenn
sie es wieder in unsere Breiten geschafft haben. Ein...
gHack, 5 months ago
P.S. Supertolles Foto
bubo, 5 months ago
Genau. Dokumente gegen die
Impertinenzen der restlichen Welt.
bubo, 5 months ago
Zum Beispiel, dass die
beiden hier unzertrennlich zu sein scheinen.
gHack, 5 months ago
Ich auch, ich auch. Aber
wer weiss wozu Ihre zufälligen Beobachtungen gut sein können...
bubo, 5 months ago
Ich bin ja nicht
Profi, ich geh ja nur spazieren.
gHack, 5 months ago
Groß! Aber sagen
Sie mal, hier sollten Sie mal tätig werden http://www.ornitho.at/index.php?m_id=5&sp_DOffset=5
bubo, 6 months ago
Eher: Lange Brennweite plus
dichtes Unterholz. Man will ja nicht stören.
gHack, 6 months ago
hui! (und
so dicht dran noch dazu)
p.m., 6 months ago
Sie akklimatisieren sich gerade.
gHack, 6 months ago
die Ammer denkt: der
Spint
bubo, 6 months ago
I appreciate this very
much
bubo, 6 months ago
Toll!
goncourt, 6 months ago
Ja. Nichts bleibt, wenn
wir nicht dafür sorgen, dass es weitergeht.
gHack, 8 months ago
Kommt mir irgendwie geläufig
vor…
tobi, 8 months ago
Man muss sich ja dauernd
um die Systeme kümmern. Entweder Archive.org saugt es ab...
gHack, 8 months ago
D.h. der Long Tail
ist Geschichte?
tobi, 8 months ago
Klar geht das wieder auseinander,
aber ich meinte in erster Linie diesen starken Sog...
gHack, 8 months ago
Hmm, da bin ich nicht
so sicher. Sites wie http://www.wikia.com/fandom erfreuen sich doch schon...
tobi, 8 months ago
Hier noch nicht so
stark verbreitet.
gHack, 9 months ago
prefering the queue at
the selbstscannerkasse.
garbageman, 9 months ago
!
exdirk, 10 months ago
True!
gHack, 10 months ago
Zahlensender: Berauschender Vergleich!
libralop, 10 months ago

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