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Friday, December 6, 2013
NSA und Gesellschaft

In einem neuen Beitrag sieht Frank Lübberding den Geheimdienstskandal als Gelegenheit zur Neujustierung des informellen Konsens über die Aktivitäten von NSA & Co. in demokratisch verfassten Gesellschaften. Snowden hat dem gemäß einen öffentlichen Diskurs über Aktionen der Dienste erzwungen, von denen die Bürger nichts wissen sollten.

Worüber wir nichts wissen, darüber kann es keine öffentliche Debatte und auch keinen informellen Konsens geben. Die Standardverteidigung der NSA-Unterstützer (und Ex-Mitarbeiter) in meiner Timeline lautet nicht umsonst: "Ihr habt kein Recht, Euch so aufzuregen, ihr habt ja schließlich keine Ahnung davon, was wir tun. Alle unsere Kritiker sind inkompetent. Sie wissen nicht, was die NSA macht. Und wenn sie es doch wissen, dann sind sie wie ein feindlicher Geheimdienst zu betrachten und zu behandeln."

Das System Geheimdienst hat sich erfolgreich von der Gesellschaft abgekoppelt: Geheime Kontrollgremien sind ebenso schnell kooptiert wie geheime Gerichte. Auch das Budget ist geheim. Es entsteht ein rechtsfreier Raum, in dem die nackte Macht waltet.

Ich muss Frank Lübberding widersprechen: Die Technik ist sehr wohl der dominante Treiber des Zeitgeschehens. Was geht, das wird gemacht. Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Die NSA nützt die Technik aus, die Gesetze und der gesellschaftliche Konsens folgen, vielleicht, lange danach. Wenn die NSA schon alles überwacht, warum sollte der Staat nicht jede Bewegung jedes Bürgers verfolgen und damit den in Lübberdings Essay zitierten Spaziergänger automatisch sanktionieren, der nachts bei Rot über die Straße geht, auch wenn kein Auto kommt? Es gibt gute Gründe dafür, die Unfallstatistik könnte eventuell damit gesenkt werden. Die Technik, die das erlaubt, ist billig und omnipräsent.

Welches Interesse sollte der Staat haben, von diesen Möglichkeiten nicht Gebrauch zu machen? Den Leuten scheint es egal zu sein, was die Überwacher treiben, mit etwas Propaganda begrüßen sie deren Tun sogar. Die totale Ermächtigung wird den Alpha-Akteuren auf dem Silbertablett serviert, sie brauchen nur noch zuzugreifen. Wer würde das an ihrer Stelle nicht tun? Um den notwendigen Diskurs zu unterbinden, müssen die Sicherheitspolitiker nur eins schaffen: Schweigen. Das können sie vortrefflich.

Es wird also keinen relevanten Diskurs geben, weil sich der Staat und die Unternehmen als wichtigste Akteure nicht daran beteiligen wollen. Die Überwachungstechnik wird sich vielmehr tiefer in die Gesellschaft eingraben, sie wird von Unternehmen und Individuen reflexiv angeeignet, Fachjargon inklusive. Es gibt also nicht nur keinen nennenswerten Gegner der Überwachung, sondern alle würden gern selbst die NSA sein, vom Marketingchef bis hin zum Eigenheimbesitzer.

Denn jeder hat nicht nur etwas zu verbergen, alle möchten auch verdammt gern wissen, was ihre Nachbarn zu verbergen haben. Und außerdem, wie schon Frederick Winslow Taylor wusste, steckt in den winzigsten unbesetzten Zwischenräumen in der Summe der größte Gewinn. Die westlichen Gesellschaften sind brutalisiert genug, dass es nur einen Konsens geben kann: Den totalen Zugriff durch den jeweils Stärkeren.

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Comments
Ich glaube, dass es bei
Sullivan halt die riesige Aufmerksamkeit war, die er als...
gHack, 3 days ago
Aber die Individualisierung und Isolierung
ist ja nur die eine Seite der Medaille, auf...
mark793, 5 days ago
Ich halte es für einen
Konzentrationsprozess auf mehreren Ebenen: Vertrieb (Pressegrosso ist auch hochkonzentriert,...
gHack, 1 week ago
Zum Abzocken gehören eigentlich immer
zwei. Die KMU (klassische Medienunternehmen) sind ja nich so...
tobi, 2 weeks ago
Wenn ich das wüsste, wäre
ich wahrscheinlich reich. Das Geld, das FB und Google...
gHack, 2 weeks ago
Eine gute Beobachtung, finde ich.
Diese Koëxistenz führt möglicherweise auch dazu, dass sich manch...
tobi, 2 weeks ago
Ja, denn das ist
unter Linux so ziemlich überall drin (darktable, etc.). Funktioniert.
gHack, 3 weeks ago
Hast Du denn dcraw
schon ausprobiert?
goncourt, 3 weeks ago
Aber wirklich; ganz toll
so
bubo, 1 month ago

gHack, 1 month ago
Kopfsprung!
henningninneh, 2 months ago
Wunderbares Treffen
bubo, 2 months ago

gHack, 2 months ago

gHack, 2 months ago
..frei!
bubo, 2 months ago

gHack, 2 months ago
Das heißt Revier zurecht
bubo, 3 months ago

gHack, 3 months ago
Bin auch erst gestern
rausgekommen.
gHack, 4 months ago
Schönes Porträt. Dies
Frühjahr hatte ich mit den Wächtern noch kein Treffen. Allerdings auch...
bubo, 4 months ago
Hier hab ich schon mehrere
Brutpaare gesehen. Sie mögen dasselbe Klimat wie die Kollegen...
gHack, 4 months ago
Hier noch keinen gesehen.
bubo, 4 months ago
Yuhu! Mögen sie sich
vermehren und freudig zahlreich im Gebüsche knarzen.
katatonik, 4 months ago

gHack, 4 months ago
In the long run…?
tobi, 5 months ago

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