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Tuesday, September 20, 2016
Bloggen ist gefährlich

Andrew Sullivan, Großblogger aus vergangenen Zeiten, über seine professionalisierte Onlinesucht und die dazu passenden Symptome: Konzentrationsschwäche, Dauererschöpfung, konservative Technikskepsis. Wahrscheinlich hat er aber recht, weil ja, im Gegensatz zum größten Teil der sonstigen Onlinebevölkerung, immerhin seine Existenz an seinem Netzdasein hing.

Sullivan meint, dass Stille und religiöse Meditationsübungen die nach junk content süchtigen Hirne wieder aus dem Overdrive holen könnten. Mag sein. Ich glaube, dass die Verknüpfung von Sozialmedien mit der Belohnungschemie des Hirns zwar grauenhaft ist, aber immer noch weniger schrecklich als die Wahrheit: Dass die Individualisierungs- und Isolationsmechanismen der Modernisierung, wie sie schon Georg Simmel vor 100 Jahren beschrieben hat, immer noch am Werk sind und so tief und ambivalent in unserer Gesellschaft drinstecken, dass wir sie zumindest zu meinen Lebzeiten nicht loswerden können.

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Monday, September 19, 2016
Journalismus: Bland vs. Spicy

Ging heute in der Branche um, der Atlantic-Artikel über den (angeblichen) Tod des pseudo-ausgewogenen He-said-she-said-Journalismus in der New York Times. Das Blatt habe angesichts der permanenten Lügerei des Donald Trump und seiner Truppe gewissermaßen vor der Realität der Unwahrheit kapitulieren und den Trump-Quatsch in einem Nachrichtenartikel ausdrücklich als solchen bezeichnet haben.

Natürlich steckt in so einem Artikel in Qualitätsmedium A über Qualitätsmedium B immer eine strategische Herabwürdigung. Aber die Beobachtung dieser spezifischen ausgleichenden Hydraulik im Profijournalismus hat mich an eine ältere Beobachtung meiner Selbst erinnert.

In den Nullerjahren, als ich in der Schweiz gearbeitet habe, gab es zwei Wachstumsbereiche in den Nachrichtenmedien: Onlinejournalismus und Gratiszeitungen. Beide hatten gemeinsam, dass ein traditionelles Merkmal des deutschsprachigen Topjournalismus, nämlich die Meinungsfärbung, kaum vorkam, es regierte die Agenturmeldung, auch im Flaggschiff der damaligen Szene, nämlich Spiegel Online, bei dem das Phänomen im Kontrast zum berüchtigten Spiegel-Stil natürlich besonders auffallen musste. Ähnlich funktionierte auch das frühe "20 Minuten", das als Gratisblatt mit der Dominanz des meinungsstarken "Blick" aufräumte. Ich dachte damals, dass sich hier im Zusammenspiel mit den sehr persönlich formulierten Weblogs eine Spielart des total neutralisierten Journalismus der nackten Meldung herausbilden würde, der genau deshalb so erfolgreich sei, weil er sich in die verschiedenen Vorstellungswelten - heute würden wir "Bubbles" sagen - würde eindocken lassen. Alle Texte frei von Zusatzstoffen, daoistisch fade, bland.

Das hat sich irgendwann in der zweiten Hälfte der Nullerjahre, spätestens um 2010 geändert. Spiegel Online holte sich Meinungskolumnisten (Sascha Lobo, Fleischhauer etc.) an Bord. Klassische Onlinemedien und Blogs konvergierten (bento, Don Alphonso als FAZ-Autor, usw.) und jetzt sogar die New York Times im Netz... die ehemaligen Tickermedien sind spicy geworden.

Vermutlich ist das eine Reaktion auf den Aufstieg der Sozialmedien, vor allem auf Facebook. Dort sind auch die größten Player des Journalismus nur kleine Profilbilder mit Feeds, also sowas wie Non-Personen. Diese Non-Personen können als bloße Robo-Feeds der alten Schule nicht existieren, sie brauchen Persönlichkeit, am besten multiple. Ist das allein für den Umbruch von bland zu spicy verantwortlich? Wenn ich datenjournalismusmäßig bland drauf wäre, dann würde ich jetzt Zeitkurven zeichnen. Aber ich bin im eigenen Blog leider eher spicy, immer schon gewesen..

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Friday, September 9, 2016
Aftenposten

Facebook hat gestern und heute für einen Eklat gesorgt, indem es das berühmte Vietnamkriegsfoto "Napalm Girl" von Nick Ut vom Account der norwegischen Zeitung "Aftenposten" gelöscht hat. Auch vom Account der norwegischen Premierministerin Erna Solberg verschwand das Bild, nachdem sie es als Protest gegen die "Guidelines" von Facebook dort hochgeladen hatte. Facebook hat seine Entscheidung heute Abend nach den Protesten zurückgenommen. (Guardian)

Nachdem ich heute Morgen den offenen Brief des "Aftenposten"-Chefredakteurs Espen Egil Hansen über den Feed des "Guardian" in die Twitter-Timeline gespült bekommen habe, bestand mein erster Reflex natürlich darin, das Stück zu retweeten. Sofort erschien nicht nur der Link zu dem Artikel des "Guardian", sondern auch das Bild in meiner Timeline.

Es ist ein hartes, schockierendes Bild. Ich habe es in einem weiteren Reflex sofort entfernt und mein Posting gelöscht.

Mein nächster Reflex als alter Metaebenenschleicher zwang mich freilich zur Selbstreflexion. Warum habe ich das Bild sofort aus der Timeline gelöscht? Bin ich schon so wie Zuckies finstere Richtlinien-Enforcer, prüde und übersensibel? An dieser Stelle könnte man schon aufhören zu denken und das Thema dem üblichen Empörungs-Pingpong in den Sozialmedien überlassen. Aber mein innerer Konnektionist zwingt mich dazu, dieses Posting zu schreiben, schließlich geht es um Struktur und Kontext.

Das Bild hat nicht in meinen Morgenfeed gepasst, weil ich nur auf den Artikel und das Faktum hinweisen wollte, aber nicht meine Morgenleserschaft (Ihr beide wisst, wer ihr seid) mit einem Schockerbild vor den Kopf stoßen wollte. Mein Feed ist ein privates Ding, ich bin nicht Reuters. Das ist es auch, was mich als alten Netztypen in den Sozialmedien wie FB oder Twitter ständig irritiert, dieses nervige Alternieren zwischen Freundeskreisprivatheit und News-Öffentlichkeit. Wenn ich eine Zeitung aufschlage oder eine Nachrichten-Site öffne, dann weiß ich, dass mich dort ein Bild wie das von Nick Ut erwarten kann. Wenn ich FB oder Twitter aufmache, dann kommt alles gleichzeitig: News, Mord, Totschlag, Postings über das Baby eines Freundes, Witze von Kumpeln, und zwar alles gleichzeitig und in sehr hoher Geschwindigkeit.

Ich finde, dass diese Auflösung der Konsummodi eine Irritation erzeugt, die FB auch mit den avanciertesten Ordnungsalgorithmen nicht wird auflösen können, weil diese auch über feinkörnigste Analysen keinen Zugriff auf die aktuelle und schnell zwischen den Wahrnehmungsmodi alternierende Haltung des Users haben können. Es ist auch dieses Alternieren, das wohl mit für die aktuelle Nervosität und permanente Aufgeregtheit in den Sozialmedien verantwortlich sein dürfte.

Deshalb, und nicht einfach nur wegen der dort geübten Zensur, ist Facebook der falsche Ort für Präsentation und Konsum ernsthafter journalistischer Medienobjekte. Ich meine damit nicht, dass Medienunternehmen sich nicht dort bewegen und ihre Produkte ausstellen und mit ihrem Publikum interagieren sollen. Aber sie sollten die Souveränität ihrer eigenen Plattformen pflegen, weil nur dort der Kontext für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den erarbeiteten journalistischen Erzeugnissen gegeben ist.

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Monday, August 29, 2016
Photography Equipment Dongles

Canon, one of the heavyweights in the imaging business, has just presented its latest DSLR camera, the EOS 5D Mk. IV. The 5D Mk. IV is a professional piece of equipment and priced accordingly at roughly 4.100 € in the Eurozone. The latest EOS body's most interesting new feature is called dual pixel RAW, the second mass-market implementation of a concept out of the toolbox of computational photography after Lytro had its shot for establishing a plenoptical camera system.

Dual pixel RAW gives the photographer more control over the recorded picture, he can shift the plane of sharpness up to a certain grade or optimize the "bokeh" in the out of focus areas.

In order to access those advanced features one has to use the software provided by Canon - the customer doesn't have to pay extra for it. Adobe has announced that it will support dual pixel RAW in one of the next versions of Photoshop / Camera RAW and Lightroom. It's not clear as of now whether Canon has opened the specification so that developers of Free and Open Source (FOSS) solutions can integrate dual pixel RAW features into their solutions.

Camera bodies are computers nowadays, inseparably intertwined with software. The RAW data formats as defined by industry leaders like Canon, Nikon or Sony are proprietary and partially encrypted and have to be re-engineered in order to be processed by FOSS projects like dcraw.

Another aspect of proprietary camera technology is software correction of optical weaknesses in a maker's lenses. Contemporary systems with a short flange (MFT or Sony Alpha) can accomodate almost every 35mm lens ever made via simple adaptors. But it won't be so simple to use lenses made for those systems on future third party bodies as the lenses are inseparable from the correction software in the original maker's cameras. The lenses could be used, but they won't deliver their full performance, unless some knowledgeable person does some re-engineering. So the camera is the hardware dongle for the lens.

Those business practices might be in order for amateurs, but for professional photographers and archivists they are annoyances, especially in the long run. Even important camera system makers can disappear as Minolta has shown not too long ago. Their formats can be forgotten, dropped from commercial converter software. Canon's dual pixel RAW shows that new proprietary technologies will continue to play an important role in the field. They have to convert their RAW data into DNG or another standardized open format. In the end, it's up the FOSS community again to preserve the artifacts of digital culture, make them futureproof. Market leaders like Canon and Nikon could learn from smaller makers like Pentax or Leica who offer a DNG recording option in their cameras.

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Sunday, August 7, 2016
Seltener Anblick

(comm.)

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Sunday, July 10, 2016
Schwer beschäftigt

(comm.)

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Saturday, July 9, 2016
Happen für Zwischendurch

(comm.)

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Comments
Ich glaube, dass es bei
Sullivan halt die riesige Aufmerksamkeit war, die er als...
gHack, 4 days ago
Aber die Individualisierung und Isolierung
ist ja nur die eine Seite der Medaille, auf...
mark793, 6 days ago
Ich halte es für einen
Konzentrationsprozess auf mehreren Ebenen: Vertrieb (Pressegrosso ist auch hochkonzentriert,...
gHack, 2 weeks ago
Zum Abzocken gehören eigentlich immer
zwei. Die KMU (klassische Medienunternehmen) sind ja nich so...
tobi, 2 weeks ago
Wenn ich das wüsste, wäre
ich wahrscheinlich reich. Das Geld, das FB und Google...
gHack, 2 weeks ago
Eine gute Beobachtung, finde ich.
Diese Koëxistenz führt möglicherweise auch dazu, dass sich manch...
tobi, 2 weeks ago
Ja, denn das ist
unter Linux so ziemlich überall drin (darktable, etc.). Funktioniert.
gHack, 3 weeks ago
Hast Du denn dcraw
schon ausprobiert?
goncourt, 3 weeks ago
Aber wirklich; ganz toll
so
bubo, 1 month ago

gHack, 1 month ago
Kopfsprung!
henningninneh, 2 months ago
Wunderbares Treffen
bubo, 2 months ago

gHack, 2 months ago

gHack, 2 months ago
..frei!
bubo, 2 months ago

gHack, 2 months ago
Das heißt Revier zurecht
bubo, 3 months ago

gHack, 3 months ago
Bin auch erst gestern
rausgekommen.
gHack, 4 months ago
Schönes Porträt. Dies
Frühjahr hatte ich mit den Wächtern noch kein Treffen. Allerdings auch...
bubo, 4 months ago
Hier hab ich schon mehrere
Brutpaare gesehen. Sie mögen dasselbe Klimat wie die Kollegen...
gHack, 4 months ago
Hier noch keinen gesehen.
bubo, 4 months ago
Yuhu! Mögen sie sich
vermehren und freudig zahlreich im Gebüsche knarzen.
katatonik, 4 months ago

gHack, 4 months ago
In the long run…?
tobi, 5 months ago

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