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Sunday, November 27, 2016
Wahrer Satz

Wahrscheinlich als neuronales Crossover-Artefakt der Fakenewsdebatte und Castros Tod ist mir heute das Diktum von Ernest Hemingway eingefallen, dass man beim Verfassen einer neuen Story am besten den ersten wahren Satz niederschreiben sollte, der einem in den Sinn käme.

Der Rezipient liest den wahren Satz, nickt zustimmend und ist schon drin in der Story. Ein Vorgang der Synchronisation mit der Welt der Geschichte. Er kauft nicht nur den Satz, sondern das ganze Paket gleich mit. Der wahre Satz ist die Verbindung zwischen der Lebenswelt des Lesers und jener der Geschichte. Theoretisch.

Der wahre Satz kann Resonanz erzeugen, wenn er sich in die Lebensrealität des Rezipienten einklinkt, in die basalen Momente der täglichen Existenz. Oder indem er einen Topos aus den miteinander kämpfenden Sphären täglich rekonstruierter hegemonial-ideologischer Wirklichkeiten aufgreift. Im ersteren Szenario ist der wahre Satz echt, im zweiten falsch.

These: Der Lebensalltag, aus dem heraus sich ein echter wahrer Satz speisen würde, ist zunehmend schwer anzusprechen, wegen der zentrifugalen Kräfte, die die Modernisierung auf die Subsysteme der Gesellschaft ausübt. Also funktioniert die Kommunikation über die falschen, die hegemonialen, Topoi ungleich einfacher. Es ist billiger und effizienter, sie zu benutzen.

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Saturday, November 26, 2016
Analogue Rock

Heute nach ziemlich langer Zeit wieder analog fotografiert, mit einer alten rein mechanischen Kamera, Batterie nur für Belichtungsmesser, Festbrennweite. Schnell wieder in den Flow gekommen: Aufziehen und schnapp. Rhythmus und Haptik insgesamt besser als bei der digitalen Fotografie, der Körper macht ja mit. Eigenartigerweise fühlte ich mich mit er alten Knipse im öffentlichen Raum weniger intrusiv als mit einer Digitalkamera. Als ob die fotografische Geste weniger ernst gemeint wäre. Vielleicht hat es aber auch damit zu tun, dass ich einfach weniger fotografiere, wenn ich "nur" 36 Bilder auf Kleinbildfilm als Speichermedium habe, anstatt einer Speicherkarte mit soundsoviel Gigabyte.

Der automatische Digitalkram hat mich zwar einerseits langsam gemacht, aber andererseits bin ich jetzt bei der Motiverkennung wegen der vielen Übung viel schneller als früher, also gleicht sich alles aus. Wenn ich wieder mehr analog fotografieren würde, dann wäre ich bald besser als vor meinem Umstieg aufs Digitale. So ist das Fotografieren eher wie Joggen, nur dass man dabei mit der Umgebung in eine Art von Kontakt tritt, während man sich beim Laufen eher abschirmt.

Ich kann jetzt die Fotos nicht sehen, die ich heute gemacht habe, aber ich kann mich an sie erinnern, auch an den Ort, an dem ich den Film gewechselt habe. Nur einmal. Ich bin sparsam und der Film ist teuer geworden.

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Away

(comm.)

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Thursday, November 24, 2016
Die Langweiligen

Unsere Gesellschaft pflegt eine gewisse Verachtung für die Leute, die die relevanten Subsysteme am Laufen halten, also für Krankenschwestern, Lehrer, Polizisten, Straßenbahnfahrer, alle und alles so unglamourös, außer in Fernsehserien, Routine, zirkuläre Jobs in einer linear am Fortschritt orientierten Organisation. Jeder braucht diese Dienste, aber diejenigen, die sie aufrechterhalten, sind in ihnen gefangen, haben Sicherheit gegen Chance getauscht, früher einmal ein guter Deal, der beste, für sehr lange Zeit. Jetzt aber nicht mehr, jeder kann ersetzt werden, keine Funktion ist mehr sicher.

Die gleiche Verachtung trifft jetzt auch die Funktionäre, Journalisten und Politiker, die diese Unsicherheit mit derselben Hingabe über Jahrzehnte hinweg organisiert und am Laufen gehalten haben. Sie sehen langweilig aus, lassen sich von viel dümmeren (aber kurfristig lustigeren) Typen an die Wand klatschen. Niemand will eine Routine wählen, in der er selbst steckt. Aber wenn die Routine erst einmal unterbrochen wird, weiß keiner, wodurch sie ersetzt werden soll. Natürlich durch eine neue Routine, durch neue Langweilige. Die Lustigen, die Grinser, haben sich da schon abgesetzt oder sind weggeschafft worden oder haben sich selbst weggeschafft.

Es war früher einmal ein guter Deal, der beste, für sehr lange Zeit.

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Sunday, November 20, 2016
Im Siebten

Wenn ich im Siebten zu tun habe, begegne ich in letzter Zeit ab und zu einem hageren Mann, der geschwinden Schrittes die Straßen durchquert, ziellos, halblaut mit sich selbst sprechend, manchmal in kurzen Ausbrüchen niemanden anschreiend. Über seinem roten Pullover trägt er eine ärmellose schwarze Weste, auf deren Rücken in großen weißen Buchstaben das Wort SECURITY steht. Das Gespenst des neuen Europa.

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Friday, November 18, 2016
Roa

(comm.)

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Thursday, November 17, 2016
Ein Link

Ich war einmal ein Blogger. Ich setze einen Link auf Goncourt, der nie aufgehört hat, ein Blogger zu sein. Für mich ist Goncourt der einzige Blogger, der weitergemacht hat, immer besser geworden ist, souverän. Allein indem er das tut, zeigt er, wie wichtig und schön es ist, ein eigenes System auf einem eigenen Server zu haben, auf dem kein Facebookmensch zensiert und kein Irrer filtert oder Spitzelalgorithmen schon an der Quelle petzen.

Es ist gut, ein Blogger zu sein. Es ist gut, Kontrolle über die Produktionsmittel zu haben. Es ist gut, zu denken und zu schreiben und zu fotografieren, für sich selbst und für die Freunde und die Welt.

Du kannst sagen: "Gerade jetzt!" und es ist ein dummes Klischee. Aber es ist immer, immer, immer "GERADE JETZT", also stimmt es.

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Last modified: 11/27/16 11:26 AM
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Comments
Eine analoge Point-and-Shoot ist noch
mal anders, ja, könnte sehr spannend sein. (Eine Art...
goncourt, 1 week ago
Ich hab noch ne alte
Mju2 rumliegen. Mit der wär alles wieder nochmal anders....
gHack, 1 week ago
Ich bin auch jedesmal
überraschter, wenn ich die Bilder sehe.
goncourt, 1 week ago

gHack, 1 week ago
Ich finde das gut mit
der Türkei. Für mich ist das praktisch mein einziger...
klagefall, 2 weeks ago
Mich nervt dieses Eindringen gezielter
Propaganda in meine Lebenswelt zusehends. In einer Kneipe kann...
gHack, 2 weeks ago
So muss das in den
späten 60ern, Mitte 70ern gewesen sein (von Eco beschrieben):...
goncourt, 2 weeks ago
Du hast Medium vergessen, das
ziemlich schlau mit Twitter integriert ist. Da findet man...
gHack, 2 weeks ago
Ich glaube, dass ist der
Punkt: Es gibt kaum noch Leute, die Blogs lesen...
klagefall, 2 weeks ago
Ist sie immer noch.
gHack, 2 weeks ago
(Die Copyright-Schiene war viel
gefährlicher und blogzerstörender als das mit dem Impressum.)
goncourt, 2 weeks ago
Impressumspflicht? Lustig, ich glaube, ich
hatte mal eins mit Totenschädel, dann wieder runtergenommen, weil...
goncourt, 2 weeks ago
Ich glaube, er konnte das
Stück dort nur deshalb anbringen, weil das Haus verlassen...
gHack, 2 weeks ago
Ich seh das halt im
Rahmen "unserer" Bloggergeneration. Weiß gar nicht mehr, wann ich...
gHack, 2 weeks ago
Schade drum
bubo, 2 weeks ago
Dann nenn es eine sehr
blogartige Art des Essays (mit dem Lob-Pingpong musst Du...
goncourt, 2 weeks ago
Naaa, Bloggen ist schon
was Intensiveres als das, was ich hier mache.
gHack, 2 weeks ago

Foto von 2011. Das Haus ist mittlerweile abgerissen worden.
gHack, 2 weeks ago
[OMG, was habe ich da
ausgelöst. :)] Es gibt doch so viele — weiter-...
goncourt, 3 weeks ago
Sie sollten sich mal anmelden,
da wären Sie nun in guter Gesellschaft...:ornitho.de Ich war...
bubo, 1 month ago
Die sardinischen Kollegen waren
dort auch häufiger, auch wenn es nicht Sardinien war.
katatonik, 1 month ago

Heute noch einen gesehen. Anderes Revier. Dort leben sonst Neuntöter.
gHack, 1 month ago
Uh! Stark.
bubo, 1 month ago
Nördlicher Raubwürger auf Urlaub in
Niederbayern. Hab schon letztes Jahr im Dezember ein Exemplar...
gHack, 1 month ago
Mutet schon so an
bubo, 1 month ago

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