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Tuesday, August 26, 2014
Skeuomorpher Vertrieb: Ein Verdacht
Gestern wieder eine Analyse gelesen, in welcher der Autor den Zeitungsleuten empfiehlt, nicht auf eigene Nachrichten-Apps zu setzen, sondern lieber auf Facebook als Traffic-Treiber, der dann die Kundschaft auf die eigene Mobil-Site lenkt.

Vor fünf Jahren hätte man "Facebook" durch "Google" ersetzt und "Social Media Strategy" durch "SEO". Der Gedanke dahinter: Lieber mit einem Dritten tricksen, anstatt ins Produkt selbst zu investieren und sich auf die eigene Marke zu verlassen. Vielleicht steckt dem gemeinen Medienmanager auch schlicht und einfach die uralte Aufgabenteilung von Verlag und (monopolistischem) Vertrieb so tief in den Knochen, dass er sich eine Struktur ohne verteilenden Middleman (Google, FB, Apple) überhaupt nicht vorstellen kann.

Überraschung: Im Internet braucht man keine Mittelsmänner, die als Gatekeeper agieren und die eigene Marke mit ihrer Super-Brand überformen. Zeit, sich von skeuomorphen Vertriebsgedanken zu verabschieden.

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Sunday, August 24, 2014
Parlamentskrähen
(comm.)

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Saturday, August 23, 2014
Revenge of the Depp - The Rise of Trottelware
In den vergangenen Jahren war oft von der "Revenge of the Geeks" die Rede. Schlaue Computerbuben (nie Frauen) nahmen in klassischer Highschoolmovie-Logik ihre Rache an den tumben Jocks, indem sie mit ihren Start-ups Milliarden und Abermilliarden einfuhren. Die Deppen, so die Botschaft, hätten endlich verloren, das Zeitalter der Intelligenten sei angebrochen, denn nur sie verstünden das wichtigste Werkzeug, den Computer.

Leider ging in dieser Argumentationslinie der wichtigste Aspekt unter, nämlich dass der Erfolg darin keineswegs in Nobelpreisen gemessen wird, sondern immer noch in Geld. Und an genau diesem Punkt setzt die Gegenoffensive an, die still heraufblubbernde Rache der Deppen oder, freundlicher ausgedrückt, der Non-Profis.
(Anmerkung: In einer arbeitsteiligen Gesellschaft sind alle Menschen zu wesentlichen Teilen ihrer Lebenszeit Deppen oder eben Non-Profis.)
Um besagte Kohle einzufahren und als Sieger gelten zu können, müssen die Geeks und Nerds auf große Nutzerzahlen kommen und ihre Produkte so weit verdummen, dass ihre eigene Kaste am Ende nicht mehr viel davon hat.

Beispiele dafür sind die erfolgreichen Mobilbetriebssysteme iOS und Android, die ihrerseits von wesentlich mächtigeren Systemen abstammen und Sicherheit/Bequemlichkeit über die Möglichkeit zum Basteln stellen.

So gibt es Android-Geräte, die fast wie echte Computer aussehen, aber eben für die Produktion von Medieninhalten wesentlich schlechter ausgestattet sind als etwa ein Netbook mit einem Old-School-Betriebssystem. Man kann mit Android und iOS interessante Dinge anstellen, aber es sind letztlich Plattformen für den Konsum, nicht für die Produktion - und ihre fragwürdigen Eigenschaften dringen nicht nur über die Mainstream-Betriebssysteme in die Produktionswelt vor.

Auch die jüngsten Manipulationen an der Timeline von Twitter, einer bei Journalisten besonders beliebten Plattform, führen weg vom Werkzeugcharakter des Systems, zugunsten unnötiger Kennenlern-Funktionen, die letztlich nur die User-Basis verbreitern und die Aufmerksamkeit-zu-Geld-Konvertierung optimieren sollen. Es rentiert sich nicht, Twitter zum Werkzeug auszubauen. Die professionellen User sind als Zielgruppe zu klein und damit uninteressant.

In dieselbe Richtung geht - last but not least - die Zerstörung des Interoperabilitätsversprechens des "Web 2.0". APIs großer Plattformen werden geschlossen oder kostenpflichtig gemacht, was wiederum die elegante und schnelle Weiterentwickeln neuer Dienste nach dem Pipe-Modell von UNIX erschwert bzw. verunmöglicht. Dem Endverbraucher kann das egal sein, aber die Fokussierung der Megacorps auf ihn konsumiert gerade die Zukunft der ganzen Branche.

Freilich gibt es Systeme wie Raspberry Pi und Arduino, auch Linux ist lebendig wie nie, aber es geht letztlich um die billige Verfügbarkeit von Tools in der Masse, um Offenheit vs. Geschlossenheit, um den "Kampf ums freie Rechnen" wie ihn Cory Doctorow heraufbeschworen hat. Doctorows Rede ist von 2012. Die Entwicklung seither hat seine Befürchtungen eher bestätigt.

Es ist schwer, Systeme strategisch zu verblöden, die eigentlich intelligent angelegt wurden. So müssen die Nerds ihre Intelligenz, Zeit und Kraft darauf verwenden, ihre Produkte deppengerecht zu machen, anstatt sie zu verbessern. Das würde ich als eine vollendete Niederlage und Demütigung bezeichnen. Wenn Du reich sein willst, dann musst Du gegen die eigene Herkunft, gegen die eigene Peer Group und gegen die ureigensten Interessen arbeiten. Die Intelligenz verliert auf ihrem ureigensten Territorium.

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Sunday, August 17, 2014
Im Ersten
(comm.)

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Language Shift
To google so./sth. (2010) = To search for something on the Internet
To google so. (2018) = To bamboozle and/or drone somebody

To like so. (2010) = (sic.)
To like so. (2018) = To rat so. out to the Feds on FB

Tweet (2000) = Bird noise / Female soul singer
Tweet (2018) = Locator in several govt. databases (US, China, Neo-USSR) for future extortion/violent death/droning

TBC

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Tempel
(comm.)

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Friday, August 15, 2014
Fluid Algorithmic Reality Reporting
Nach den Ereignissen in der US-Stadt Ferguson hat die Sozialwissenschaftlerin Zeynep Tufekci einen kurzen Artikel geschrieben, in dem sie beobachtet, wie die Sortieralgorithmen von Twitter und Facebook mit dem Thema umgegangen sind. Ihr Fazit: FB sei langsamer gewesen als Twitter, wo die Geschichte sehr viel schneller an Relevanz gewonnen habe. Generell weist sie darauf hin, wie wichtig die Algorithmen für die Wahrnehmung von Themen auf Social Networks sind, die wiederum heute wichtige Gatekeeper für die eigentlichen Nachrichtenportale darstellen.

TechCrunch-Journalistin Sarah Perez konterte diese Vorwürfe, die auch von der Huffington Post und diversen Usern vorgetragen worden waren, das sei alles nicht so einfach, schließlich spielten Regionalisierung und Personalisierung bei der Anordnung von Nachrichten und der Anzeige von Trends auch noch eine große Rolle. Sprich: Die Beobachtungen von Zeynep Tufekci und anderen Usern ließen sich nicht verallgemeinern.



Diese Beiträge sind beispielhaft für ein Kernproblem proprietärer Kommunikationsplattformen. Schon die Rohdaten von Twitter und FB sind Abstraktionen verschiedener Aktionen, aber die Endnutzer, darunter auch Journalisten, bekommen nur eine automatisiert aufbereitete Interpretation dieser Daten zu Gesicht. Wie diese Interpretation zustande kommt, wissen wir nur ansatzweise, denn Twitter und Facebook sind, wie gesagt, proprietäre Software, mit allen Implikationen, die das mit sich bringt.

Zugespitzt könnte man sagen: Die algorithmische Personalisierung ist die Vollendung des Neoliberalismus auf Ebene der öffentlichen Kommunikation. Wenn Du etwas nicht gesehen hast, dann bist Du selbst Schuld, weil Du den Algorithmus von Facebook entsprechend trainiert hast. Abschalten lassen sich die Personalisierungssysteme nur begrenzt und auch nicht überall. Schließlich erfüllen sie wichtige Aufgaben, machen Systeme wie Twitter überhaupt erst bedienbar. Aber sie tun das eben nicht auf eine nachvollziehbare Art und Weise.

Dumm nur, dass zumindest Twitter und Google heute unverzichtbare Werkzeuge für Journalisten und viele andere Informationsverarbeiter sind. Journalismus wiederum muss im Netz zunehmend wissenschaftlichen Kriterien der Nachvollziehbarkeit genügen. Wenn aber jeder Feed von den Programmierern der verwendeten Plattform personalisiert ist, dann ist Nachvollziehbarkeit nur in sehr eingeschränktem Maße herstellbar. Genau genommen weiß man als User am anderen Ende nicht einmal, ob ein "Verified Account" auf Twitter vom jeweiligen Alpha-Akteur oder dessen PR-Personal bedient wird. Trending Topics haben kaum Aussagekraft, auch die professionellen Nutzer bekommen von den Daten-Megakonzernen in der Regel keine Metrics zur Verfügung gestellt, außer Sternchen und Retweet-Zahlen. Mehr brauchen die Unternehmen nicht herauszurücken, denn auch aus diesem Gefälle der Informationsdifferenz generieren sie Geld.

Sind die Personalisierer deshalb böse? Nein, sie könnten nur sehr viel bessere Werkzeuge bereitstellen. Und die fehlende Nachvollziehbarkeit zeigt auch die Grenzen der Leistungsfähigkeit proprietärer Plattformen auf. Es wird also in nicht zu ferner Zukunft zweifellos bessere, professionellere Kommunikationssysteme geben als Twitter und Facebook und es wird aus dieser Konsequenz heraus auch eine bessere und professionellere Suchmaschine geben als Google.

Bis dahin ist es wichtig, die Informationen aus den opaken personalisierten Systemen wie Sandmuster am Strand zu behandeln, die mit jeder Welle neu angespült werden, als fluktuierende Konstrukte, die mit teils großem Aufwand fixiert werden müssen, bevor sie als belastbar betrachtet werden können.

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Comments
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gHack, 5 days ago
Ich bin ja noch nicht so lange da, aber ich finde, die Stadt verändert...
gHack, 12 days ago
Ja, den 1. erkenne ich manchmal nicht wieder, im Guten wie im Schlechten.
DeSpell_, 12 days ago
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gHack, 12 days ago
Heute ist der 1. nur noch eine Chanel-Boutique mit Museumsshop.
gHack, 12 days ago
In meiner Jugend hatte die Theseus-Statue meist einen Mega-Joint im Mund.
DeSpell_, 12 days ago
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gHack, 12 days ago
Schönes Leben
bubo, 14 days ago
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gHack, 15 days ago
furchtbar herbstlich
mariong, 17 days ago
Meinten Sie: mikro_biotisch?
goncourt, 17 days ago
Mikrobiotisch
gHack, 17 days ago
Alice B. Toklas Cooking Show.
goncourt, 17 days ago
almost psychedelic
DeSpell_, 17 days ago
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gHack, 17 days ago
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gHack, 18 days ago
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gHack, 18 days ago
Geld und Raum
gHack, 20 days ago
Alltagslösungen statt Lösungen. Der Ohnmacht mit Improvisation kontern. Und wohl auch dieses ungeklärt hybride,...
goncourt, 20 days ago
Schätze mal: Ähnliche Probleme, ähnliche Lösungen.
gHack, 20 days ago
Das erinnert mich an ein Gespräch mit einem Freund darüber, dass Italien und Indien...
goncourt, 20 days ago
Dachte mir auch oft, dass Spanien und Portugal ziemlich japanisch sein können.
gHack, 20 days ago
stark. südostasien, könnte man meinen.
henningninneh, 20 days ago
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gHack, 21 days ago
!
goncourt, 22 days ago

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