textdump
Tuesday, January 3, 2017
Die Formatierten

Stefan Plöchinger hat auf tumblr einen aufrüttelnden Appell an Journalisten veröffentlicht. Der Text ist ein Ausschnitt aus dem Selbstgespräch der Branche, die ökonomisch und ideologisch unter hohem Druck steht. Als Mensch, der unmittelbar nichts mit der Nachrichtenwelt zu tun hat, könnte man natürlich sagen: Was geht mich das an? So hat es auch einer der Experten in diesem DLF-Stück über die Arbeitswelt von Ulrike Winkelmann (selbe Generation wie Plöchinger) gesagt. Leider wirkt die zunehmende Panik in der Nachrichtenbranche, die von Facebook, Google und Konsorten nach allen Regeln der Kunst filetiert und ihrer profitabelsten Teile beraubt wird, auch tief in die Gesellschaft hinein - wie Winkelmann schreibt -, ist also ein verstärkender Faktor in der Destabilisationsmechanik diverser Demagogen.

Nun ist Plöchinger nicht irgendwer, sondern wahrscheinlich einer der mächtigsten Journalisten seiner Generation in Deutschland, Mitglied der Chefredaktion der auflagestärksten ernstzunehmenden Tageszeitung. Daher hat es mich erst überrascht, den Text auf tumblr zu lesen, nicht auf der Website der "SZ". OK, Plöchinger erklärt auch warum. Das Stück wurde für den "Journalist" geschrieben, ein Branchenmagazin, das derzeit keine eigene Website hat. Ich dachte mir aber auch, dass solche Selbstreflexion aus der Perspektive des Profis auf den Medienwebsites selbst keinen Platz fände, zwischen all den durchformatierten Texten und den Journalistenschulenstandards. Wenn, dann muss das Stück in eine Sandbox gesteckt werden, wie in dem neuen Transparenzblog von "Zeit Online" (Hätte es dort hingepasst? Ich bin mir nicht sicher. Eher nicht.)

Das zeigt ein Problem auf: Wir können in unseren eigenen Medien nicht offen über die dringendsten Themen der eigenen Branche sprechen, höchstens in einer Sandbox oder auf einer Drittplattform wie einem tumblr. Es geht gegen den Stolz, es könnte als Schwäche interpretiert werden, vor allem von der Konkurrenz und von den professionellen Demonteuren in den Propagandaabteilungen gegnerischer Parteiapparate. Probleme sind immer Probleme der anderen, die genüsslich auf den Medienseiten ausgebreitet werden, die leider meistens die übelsten Beispiele für Konzernjournalismus darstellen, die die Branche überhaupt zu bieten hat.

Plöchinger hat recht, wenn er schreibt, dass die Profis rausgehen und sich erklären müssen. Aber sie können das in den eigenen Medien nicht tun. Es würde gegen deren Selbstverständnis und gegen die Formatierungen der Nachrichtenbranche verstoßen.

Online for 1478 days
Last modified: 1/18/17 9:47 PM
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Comments
!
exdirk, 4 days ago
True!
gHack, 1 week ago
Alright with me
gHack, 4 weeks ago
Blogs sind die neuen
Zahlensender.
sakana, 4 weeks ago
So ist es.
Arwa Pelski, 4 weeks ago
Eben, eben. (Wenn auch
schön.)
Lakritze, 4 weeks ago
Ich lebe vermutlich unter einen
Stein, aber ...marketing? Wer hätte denn da & so...
Lakritze, 4 weeks ago
Merci! Ich hab die Dinger
mit einer Breite von 800px als Serie hochgeladen (geht...
gHack, 4 weeks ago
So schöne Fotos und ich
wüsste gern, wie das geht, dass die so aufploppen...
klagefall, 4 weeks ago
Bloggen ist per se
irrelevant, also keine Gefahr.
klagefall, 4 weeks ago
sie sprechen mir aus
der seele!
ranke, 4 weeks ago
<3
goncourt, 1 month ago
Eine analoge Point-and-Shoot ist noch
mal anders, ja, könnte sehr spannend sein. (Eine Art...
goncourt, 1 month ago
Ich hab noch ne alte
Mju2 rumliegen. Mit der wär alles wieder nochmal anders....
gHack, 1 month ago
Ich bin auch jedesmal
überraschter, wenn ich die Bilder sehe.
goncourt, 1 month ago

gHack, 1 month ago
Ich finde das gut mit
der Türkei. Für mich ist das praktisch mein einziger...
klagefall, 2 months ago
Mich nervt dieses Eindringen gezielter
Propaganda in meine Lebenswelt zusehends. In einer Kneipe kann...
gHack, 2 months ago
So muss das in den
späten 60ern, Mitte 70ern gewesen sein (von Eco beschrieben):...
goncourt, 2 months ago
Du hast Medium vergessen, das
ziemlich schlau mit Twitter integriert ist. Da findet man...
gHack, 2 months ago
Ich glaube, dass ist der
Punkt: Es gibt kaum noch Leute, die Blogs lesen...
klagefall, 2 months ago
Ist sie immer noch.
gHack, 2 months ago
(Die Copyright-Schiene war viel
gefährlicher und blogzerstörender als das mit dem Impressum.)
goncourt, 2 months ago
Impressumspflicht? Lustig, ich glaube, ich
hatte mal eins mit Totenschädel, dann wieder runtergenommen, weil...
goncourt, 2 months ago

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